Scheidungspflicht!

Die Wertschätzung der Ehe in der christlichen Kirche ist sehr hoch. Viele Denominationen halten Scheidung sogar für generell falsch und lassen sie nur als Option „für den schuldigen/ungläubigen Teil“ zu.

Unter diesem Blickwinkel ist dieser Text aus Esra 10,44 schockierend: “Diese alle hatten fremde Frauen genommen; und nun entließen sie Frauen und Kinder.

Hier lag eine angeordnete Scheidungspflicht vor, die sogar die Kinder mit einschloss! Tatsächlich beschäftigst sich fast ein ganzes Kapitel im Buch Esra mit diesem Problem und es kommt zu einer Wiederholung, als Jahre später, die erneut „Abtrünnigen“ an ihren Bärten packt (Neh. 13,25ff…), schlägt, ihre Kleider zerreisst und sogar den Verwandten des Hohepriesters in die Wüste verjagt.

Ich möchte mit euch einige Überlegungen zu dieser Scheidungspflicht teilen

1. Im Neuen Bund ist die Reinheit ansteckend

Die Korinther schienen genau vor dem Hintergrund solcher Texte wie aus Esra 10 mit der Frage konfrontiert gewesen sein: Soll ein Gläubiger seinen Ungläubigen Partner verlassen? Ich denke vielen ist dieser Text vertraut: „“Den andern aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und es gefällt ihr, bei ihm zu wohnen, so soll er sie nicht fortschicken.” (1. Kor. 7,12) und dann führt Paulus die Begründung auf, das waren immer Texte, die ich lange nicht verstanden habe. Wie werden nun die „Kinder heilig“. Spricht Paulus hier gar von der Kindertaufe, wenn er folgende Worte in Vers 14 spricht: “Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den gläubigen Mann. Sonst wären eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig.” (1. Kor 7,14)

Paulus macht den Korinthern klar, dass im Neuen Bund nicht mehr die Unreinheit ansteckend ist für die Reinheit und deswegen alles „Unreine“ gemieden werden muss (in unterschiedlichen Graden bis hin zur vollständigen Isolation eines Aussätzigen). Nein, vielmehr kehrt Christus das Prinzip um: Er als Reiner berührt die vollendete Unreinheit eines gänzlich Aussätzigen und nicht Jesus wird unrein, sondern der Aussätzige wird rein. Eine Unreine Frau mit einem Blutfluss berührt Jesus, und nicht Jesus wird unrein, sondern die Frau wird gesund und rein.

Dieses Prinzip setzt sich auch in einer „problematischen Ehe“ fort und der ungläubige Partner muss nicht mehr verlassen werden, sondern der ungläubige Partner ist geheiligt durch den Gläubigen. 

Texte wie Esra 10,44 zeigen uns darauf, dass der Neue Bund herrlicher ist als der Alte. Diese Herrlichkeit sehen wir in der Umkehrung des „Reinheitsprinzipes“. Bei Jesus ist Reinheit ansteckend. Diesem Gedanken habe ich einst eine Andacht gewidmet. 

2. Ungewöhnliche alttestamentliche Ehesitten

Gehen wir zu einer eher technischen Beobachtung: Ist es nicht interessant, dass Polygamie (auch wenn bei Maleachi ebenfalls kritisiert) über lange Sicht in der Bibel „besser“ abschneidet als die Heirat mit ausländischen Frauen. Die Richter, die mehrere Frauen hatten, werden weniger kritisiert, als Simson, der eine Frau „von den Unbeschnittenen“ haben möchte. Salomos Problem war weniger die Vielweiberei, als dass es „ausländische Frauen“ waren.

In unserer Zeit, in der man die biblische Ethik gerade in Fragen der Sexualität und Ehe umdeuten möchte, möchte ich denen, die z.B. die „Ehe für alle“ auch mit der Bibel verteiden, vorhalten, dass wir zunächst einmal in das biblische und hier alttestamentliche Zeugnis zu diesen Fragen blicken sollten. Das alte Testament ist weit davon entfernt gleichgültig oder ambivalent zum „Eherecht“ zu sein. Wenn auch die Schlussfolgerungen auch konservative Christen überraschen mögen, so taugt es nichts, in der Beziehung von Ruth und Naomi eine homosexuelle Liebe zu sehen, während doch das dramatische wo ganz anders zu finden ist: Ruth ist Moabiterin! Von allen ausländischen Frauen die „Allerschlimmste“. Moabiter galten als „unintegrierbar“. Und ausgerechnet Ruth heiratet Boas!

By the way, ich denke, dass die Bibel entschieden Polygamie kritisiert. Dafür sprechen viele Texte: So gehen die vielen Warnungen von Sprüche immer von 2 Personen aus, die heiße Beziehung im Hohelied ist zwischen einem Mann und einer Frau und es finden sich auch im Alten Testament schriftliche Kritik an der Polygamie, wie z.B. Mal. 2,14-15. Insgesamt war der Ehebund von einem Mann mit einer Frau die Normalität.

Dennoch gibt es Abstufungen bzgl. der Toleranz „verschiedener Abweichungen vom Ideal“: Scheidungen wurden wegen der Herzenshärte gesetzlich geregelt (zum Schutz der Frauen), Polygamie war nur bei Sicherstellung der finanziellen Versorgung zulässig, Ehen mit Fremden nicht zugelassen, obwohl neutestamentliche Lichtblicke immer wieder die Heilsgeschichte durchziehen. Heute wollen uns die Neuen Propheten weismachen, dass die Bibel Homosexualität und andere Arten der sexuellen Unmoral ähnlich tolerieren würde. Dabei findet sich für diese Praktiken keinerlei Toleranz, weder im Gesetz noch in der tatsächlich gelebten Praxis in Gottes Volk.

 

 

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