Kindererziehung in der digitalen Welt

Ein Artikel von Tim Challies. Erschienen am 12.03.2015 auf challies.com unter dem Titel: „Parenting Well in a Digital World“. Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung challies.com. Übersetzt von Ruth Metzger. (Download als .pdf)

Kindererziehung in der digitalen Welt

Selbst zu den besten Zeiten ist Kindererziehung alles andere als einfach. Aber bring noch eine Million neue Technologien ins Spiel – neue Geräte, soziale Netzwerke und Apps – und es wird noch viel komplizierter. Das ist heute die tägliche Herausforderung für alle Eltern. Kürzlich habe ich ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit den Herausforderungen einer digitalen Welt gegeben, und heute möchte ich ein paar Tipps geben, wie man Kinder darin auf gute Weise begleiten kann. Ich werde dabei dasselbe Format benutzen: 3 Dinge, die du ablegen oder ablehnen solltest, und 3 Dinge, die du annehmen oder erstreben solltest.

Lehne Unwissenheit ab, strebe nach Wissen

Du musst die Unwissenheit ablegen und dir stattdessen Wissen aneignen. Jedes Mal, wenn eine Technologie in die Gesellschaft vordringt, sehen wir das gleiche Muster: Die Älteren neigen dazu, sie abzulehnen, und die Jüngeren greifen sie begeistert auf. Die Älteren sind absolut zufrieden mit den Technologien, die vertraut und erprobt sind, während die Jüngeren voller Begeisterung etwas Neues ausprobieren möchten. Die jüngere Generation drängt vorwärts, während die ältere abgehängt wird.

So kann es Eltern ergehen. Oft fühlen sie sich von neuen Technologien eingeschüchtert und geben sich gar keine Mühe, sie kennenzulernen. Stattdessen drücken sie ihren Kindern Geräte in die Hand, ohne deren Potential und Fähigkeiten wirklich zu verstehen. Das bedeutet aber, die Kinder mit dem Risiko alleinzulassen. So haben wir es erlebt, als das Internet am Horizont auftauchte, und Eltern ihren Kindern einen Computer mit Internetverbindung überließen und überhaupt nicht in Erwägung zogen, dass ihre Kinder -vielleicht nach Pornografie suchen und sie auch finden würden. Die Folge davon war, dass eine ganze Generation junger Menschen Pornografie-abhängig wurde. Warum? Weil ihre Eltern ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Es ist zu einfach, den Jungen die Schuld zu geben; wir müssen sie auch bei den Eltern suchen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden.

Also, Eltern, ihr müsst die Unwissenheit verwerfen und euch entscheiden, Neues zu lernen. Ihr müsst euch informieren, wenn neue Technologien auftauchen und bestehende Technologien sich weiterentwickeln. Ehe ihr euren Kindern diese glitzernden neuen Gadgets aushändigt oder ihnen erlaubt, sich bei diesen aufregenden neuen sozialen Plattformen zu registrieren, oder ehe sie sich die neusten Apps herunterladen, die gerade jeder hat, eignet euch das nötige Wissen an. Widersteht der Versuchung, in Passivität und Unwissenheit zu verharren, und zwingt euch dazu, euch weiterzubilden.

Sei nicht töricht, sondern übernimm Verantwortung

Du musst die Torheit ablegen und Verantwortung übernehmen. Heute geben wir unseren Kindern quasi Elektrowerkzeuge in die Hand und reagieren dann schockiert, wenn sie sich damit die Hand abhacken. Diese Naivität ist absurd; wir sollten davon ausgehen, dass unsere Kinder ohne unsere Anleitung schwerwiegende Fehler machen. Also, liebe Eltern, ihr müsst euch nicht nur selber das nötige Wissen verschaffen, sondern es auch euren Kindern vermitteln. Ihr braucht einen Plan, um eure Kinder in neue Technologien einzuführen und sie zu überwachen, wenn sie sie einsetzen. Es liegt in eurer Verantwortung, einen solchen Plan zu entwickeln.

Welchen Plan ihr auch immer anwendet, er muss sich sowohl für das Training als auch für die Überwachung eurer Kinder eignen. Stell dir vor, dein Teenager soll das Autofahren mit der Familienkutsche lernen. Wenn das Kind 16 wird und seine Übungs-Fahrerlaubnis erhält, gibst du ihm auch nicht einfach die Schlüssel und sagst: „Viel Spaß! Sei um Mitternacht wieder da!“ Du steigst ins Auto, nimmst dein Kind zu einem leeren Parkplatz mit und erlaubst ihm, dort ein paar Minuten Kreise zu drehen. Wenn das außerordentlich gut läuft, erlaubst du ihm vielleicht, auf dem Heimweg am Steuer zu sitzen. Du leitest es an und beobachtest es, und wenn es wachsende Fähigkeit und Verantwortlichkeit zeigt, erlaubst du ihm auch mehr. Wenn es um ein Auto geht, muss Vertrauen hart erarbeitet werden und ist schnell verspielt. Und genauso wenig darfst du deinen Kindern einfach ein Mobiltelefon in die Hand drücken oder sie bei Facebook anmelden, ohne sie zu unterweisen und die Führung zu übernehmen.

Die Bibel versichert uns, dass im Herzen eines Kindes Torheit steckt. Es ist die durchgängige Botschaft der Sprüche, dass jungen Menschen Weisheit fehlt, und sie deshalb unbedingt Eltern brauchen, die ihnen beibringen, wie man vernünftig lebt. Deshalb trägst du die komplette Verantwortung. Wenn du deinem Kind einen Computer, ein Handy oder ein Konto in einem sozialen Netzwerk zur Verfügung stellst, gibst du ihm etwas mit gewaltigem Potential in die Hand. Dein Kind kann diese Dinge zu viel Gutem verwenden, aber auch viel Böses damit anstellen. Wenn es stimmt, dass im Herzen eines Kindes Torheit steckt, dann musst du davon ausgehen, dass dein Kind es ohne deine Führung zum Schlechten verwenden wird. Du brauchst einen Plan: einen Plan, der den Kindern helfen wird, diese Technologien verantwortungsvoll zu nutzen. Wie könntest du anfangen? Du könntest mit dem Porn-Free Family Plan anfangen oder mit meinem Buch The Next Story (mit der zweiten Ausgabe, die den „Porn-Free Family Plan“ als neues Kapitel enthält). Sei kein Narr; übernimm die Verantwortung, die Gott dir gegeben hat.

Fürchte dich nicht, sondern mach dich mit den neuen Technologien vertraut

An diesem Punkt magst du denken: Diese neuen Technologien sind einfach zu risikobehaftet. Vielleicht würdest du es lieber wie die Amish machen und nach Wegen suchen, all diese Technologien aus deinem Leben herauszuhalten. Das mag dein Empfinden sein, aber du darfst ihm nicht nachgeben. Denn es ist nun mal so, dass dies die Welt ist, in der deine Kinder leben. Es ist viel besser, sie im Umgang damit anzuleiten, so lange sie noch in deiner Obhut sind, als sie unwissend in diese Welt hinauszuschicken. Es ist also deine ernste Verantwortung vor Gott, sie auch im Gebrauch eines Mobiltelefons oder von Facebook in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen.

Ich werde oft gefragt, ob ich voraussagen kann, was aus diesen Technologien, die heutzutage um uns herum geradezu explodieren, in der Zukunft entstehen kann. Die einzige Antwort, die ich darauf weiß, ist dies: Gott wird alle diese Technologien auf unabsehbare und wunderbare Weise benutzen. Ich bin völlig überzeugt, dass er sich durch sie verherrlichen wird. Wie kann ich da so sicher sein? Weil Gott das schon immer durch jede Neuerung getan hat, der zuerst mit Furcht begegnet wurde. Denk mal drüber nach:

  • Als Menschen erstmals damit anfingen, Dinge aufzuschreiben, anstatt sich nur auf ihr Gedächtnis zu verlassen, befürchteten viele Leute, dass diese Verschriftung Unwissenheit fördern würde. Aber Gott benutzte die Schrift auf die bestmögliche Art – nämlich um seine Worte festzuhalten, so dass wir heute noch Manuskripte von vor Tausenden von Jahren finden können, die das enthalten, was uns heute als die Bibel bekannt ist.
  • Eine der größten technischen Errungenschaften der römischen Welt war das römische Straßennetz. Es wurde geschaffen, um römische Soldaten schnell von Ort zu Ort zu bringen, damit sie andere Völker beherrschen und Aufstände niederschlagen konnten. Aber auf denselben Straßen, auf denen die Füße der Soldaten marschierten, trugen auch die Füße der Missionare das Evangelium bis zu den Enden der Erde.
  • Im 15. Jahrhundert wurde die Druckerpresse erfunden, und die Menschen fürchteten ihre Macht. Aber was geschah? Schon bald produzierten die Druckerpressen Bibeln, und diese Bibeln erwiesen sich als der Funken, der die Reformation entzündete. Nicht allein das, sondern die Bibel wurde das meistverkaufte Buch aller Zeiten.
  • Das Radio wurde erfunden, und es dauerte nicht lange, bis das Evangelium überall in die Welt gesendet wurde.
  • Dann wurde das Fernsehen erfunden, und bald konnte man Gottesdienste und Evangelisationskampagnen darin sehen, und das Evangelium wurde in ferne Länder ausgestrahlt.
  • Digitale Geräte erlaubten es, Apps zu entwickeln, und sehr schnell brachten Christen Bibel-Apps auf den Markt. Diese Apps sind sehr populär, und immer mehr Menschen machen ihre Erfahrungen mit Gottes Wort durch eine App. Und das ist okay. Das ist schön. Gott gebraucht auch digitale Technologien.

Wir neigen zu der Vorstellung, dass wir heute Probleme haben, die die Welt noch nie gesehen hat. Tatsächlich handelt es sich um ein wiederkehrendes Muster. Wieder und wieder hat die Welt technologische Explosionen erlebt, die alles auf den Kopf gestellt haben. Jetzt befinden wir uns an einer neuen Grenzlinie, und du und ich müssen uns der schwierigen Aufgabe stellen, mit diesen Dingen gut umgehen zu lernen Anstatt uns davor zu fürchten, müssen wir uns mit ihnen vertraut machen. Anstatt vor neuen Technologien zurückzuschrecken, wollen wir sie erkunden und herausfinden, wie wir sie für Gottes Sache nutzen können. Lasst uns die Vorteile und Risiken kennenlernen und herausfinden, wie wir diese Dinge gebrauchen können, um den Auftrag Gottes auszuführen. Und dann lasst uns sie einsetzen, um Gutes für andere zu bewirken und Gott Ehre zu machen.

 

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