Psychopharmaka und Seelsorge – eine Publikation von Dr. rer. nat. Martin Schumacher

Heute möchte ich auf eine hilfreiche Publikation von Dr. rer. nat. Martin Schumacher aufmerksam machen. Das Dokument ist eine Handreichung für jeden, der vor der schwierigen Frage steht, ob zu Psychopharmaka bei sich selbst (oder bei seinem Nächsten) gegriffen werden soll und soll eine Unterstützung in der Entscheidungsfindung sein. Während man die Medikamentengabe nicht generell ablehnen kann, darf man in dieser keinesfalls eine (dauerhafte) Lösung seiner Probleme sehen. Ich denke Schumacher gelingt hier diese ausgewogene Sicht auf diesen psychosomatischen Lebensbereich. Der Lesefluss des Buches wird durch kurze “Merke-” Stationen deutlich vereinfacht und man hat nach jedem Kapitel die Möglichkeit über das Gelesene zu reflektieren. Schließlich rundet ein umfangreiches Kapitel mit Literaturhinweisen das Buch ab und ermöglicht , – auch je nach Problemfeld – weitergehende Selbstrecherche. Es ist  zu empfehlen, sich vor der Verwendung von Psychopharmaka umfassend zu informieren.

Das Handbuch findet sich hier kostenfrei zum Download.

Der Autor, dessen Herz für die Seelsorge schlägt, hat viele historische Schriften in diese Bereich aufbereitet (und neu entdeckt). Diese finden sich unter diesem Link.

Wie ist das mit der Buße?

Jakobus 4,7–10: — “So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen. Klagt, trauert und weint; euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit.  Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.”

“Da unser Meister und Herr Jesus Christus spricht: Tut Buße, will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße sein soll.”Mit dieser These eröffnete Luther bekanntlich seine 95 Thesen. Ist es nicht interessant, dass das Dokument, das Auslöser für den Bruch innerhalb der westlichen Kirche wurde, sich vornehmlich mit der Buße, nämlich der Unterscheidung von richtiger und falscher Buße beschäftigt?

Wenn wir die Frage nach der Buße stellen ist sie also zunächst einmal zu bejahen! Keiner kann zu Christus mit den Fragen kommen “Was fehlt mir noch?” oder “Was muss ich tun?” ohne als Antwort mit seinem Versagen konfrontiert zu werden. Als ein wohlhabender Jugendlicher, überzeugt von seiner Rechtschaffenheit, auch von Jesus die Absolution hören wollte, wird sein Herz enttarnt, es wird ihm  plötzlich bewusst, dass er bereits gegen das erste Gebot auf krasse Weise verstößt (Lk. 18,18-27).

Ich beobachte es unter Christen sehr häufig, dass die Botschaft “Jesus nimmt die Sünder an” (Luk 15,2) keine Freudenschreie für sie persönlich auslöst. Wohl ist es die Botschaft, die sie an ihren atheistischen Nachbarn oder an ihren gottlosen Kollegen weiterreichen, aber als Christen selber haben wir es verlernt, uns als der Gnade bedürftige Sünder zu sehen. Denken wir nur, wie man immer damit ringt, die ausgeschüttete Gnade an den verlorenen Sohn (Luk. 15) auf sich selbst anzuwenden. Ständig deutet man das Gleichnis irgendwie doch so, um ja nicht sich selbst als den angenommenen Sünder sehen zu müssen. Auf eine Weise möchte man dann zum Übersohn werden, der nicht so fällt wie der jüngere Sohn und doch nicht die Selbstgerechtigkeit des zweiten Sohnes besitzt. Welch Fehlinterpretation! Dabei ist genau das die beste Botschaft, die die Bibel für uns hat: “Jesus nimmt die Sünder an”. Die Gerechten, also die, die nach Verdienst umgehen wollen, die kann Jesus auch nicht annehmen und diese werden auch keine Notwendigkeit darin sehen, einen zu suchen, der demütig, sanftmütig ist und die Lasten abnehmen will. „Wie ist das mit der Buße?“ weiterlesen

Jesus – besser als Wasser!

Durch Peter Leitharts “Survey of the Old Testament” bin ich darauf aufmerksam geworden, wie Johannes Jesu Wirken mit Wasser verbindet. Ja, Jesus ist besser (und notwendiger als Wasser). Eine Übersicht:

  1. Johannes tauft mit Wasser, aber Jesus wird mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen (Joh 1,26.31; Mt. 3,11)
  2. Jesus macht aus Wasser Wein
    Spannend dabei, das das Wasser, dass auf dieser Hochzeit dargereicht wird, für die kultische und notwendige jüdische Reinigung verwendet wurde (Joh 2.6). Johannes macht sich die Mühe das bewusst zu erwähnen. Auch dass es eine Hochzeit ist, die “am dritten Tage” stattfindet. Überhaupt ist das Wunder ein Vorzeichen auf das was in Jesus folgen soll. Eigentlich hatte der Bräutigam für den Wein zu sorgen und klar wird, wer der wahre und bessere Bräutigam ist
  3. Jesus reicht ewiges Lebenswasser
    In Kapitel 4 begegnet uns eine Brunnenszene, die man vom Lesen des Alten Testaments bereits kennt (Jakob, Mose…). Jesus kann jedoch besseres Wasser darreichen. Ja er sagt sogar, dass die, die von seinem Wasser trinken, selber zu Wasserspendern werden (Joh. 4.14). Diese Botschaft wiederholt Jesus auf dem Chanukka-Fest(Joh. 7).
  4. Jesu Reinigung ermöglicht die echte Feier des Sabbats
    Diese Situation finde ich am Spannendsten: Der Gelähmte stand am Schaftor. Es ist das Tor, durch das Opfertiere zum Tempel gebracht wurden. Hier konnten nur gesunde Tiere durch. Ironischerweise blieben auch kranke Menschen vor dem Tor, ausgeschlossen von Gottesdienst und Gemeinschaft. Wer Unrein ist, konnte nicht am Gottesdienst teilnehmen und durfte das erst nach einer rituellen Waschung. 38 Jahre wartet nun hier einer, der es nicht vermögen kann. Dem es unmöglich auf diese Weise gelingen kann, rein zu werden und Sabbat, Gottesdienst und Gemeinschaft zu feiern (Joh. 5,7). Auch hier ist Jesu Dienst besser als Wasser
  5. Jesu wäscht seinen Jüngern die Füße
    Noch einmal begegnet uns Wasser. In einer Schüssel. Umgürtet mit dem Handtuch ist Wasser. Das was die Jünger hier erleben spiegelt nur Jesu wirklich reinigenden Dienst in seinem Blut.

„Jesus – besser als Wasser!“ weiterlesen

Eine Viertelstunde über einen todsicheren Pfeil

Ich habe für meine Viertelstunde diesmal ein neues Format ausprobiert und nur eine kommentierte Schriftlesung durchgeführt (Nämlich 1. Kön. 22). Leider ist es mir nicht so ganz gelungen, die Kerngedanken sauber darzustellen, aber auch um der Transparenz willen, möchte ich weniger gut gelungene Beiträge veröffentlichen.

Nachgedacht habe ich über diese Fragen:

  • Wie steht König Ahab zur Wahrheit?
  • Wie kommuniziert Micha Wahrheit in einem Moment, in dem keiner auf diese hören möchte?
  • Lässt sich Gottes Urteil vermeiden?

Ahabs Geschichte hat mich schon immer in besonderer Weise fasziniert. Ich habe an dieser Stelle über Ahab, Isebel und Naboth nachgedacht.

Kinderlied: “Jona, Jona, geh sofort!”

Peter Leithart, ein eher ungewöhnlicher “maverick” Theologe, den ich immer wieder gerne auf First Things lese, hat einen großartigen Artikel darüber geschrieben, wie er mit seinen Enkeln die Bibel ließt, bzg. biblische Geschichten vermittelt. Dieser Artikel erschien vor einigen Tagen auf deutsch und motivierte mich, einige neue Elemente auszuprobieren. Eine Frucht der Arbeit ist ein Kinderlied über Jona. 4 Strophen in etwa passend zu den vier Kapiteln des Buches (download).

Das_Jona_Lied_ver_2

 

 

Audio: Die Zweite Eva

 Ein Artikel von von Rachel Jankovic: „The Second Eve“, erschienen  am 15. Mai 2020, übersetzt von Elisabeth Sovkov (Download als .pdf)

Für den Pocast bis nach unten scrollen.

Ich glaube, es gibt keine traurigere Geschichte in unserer Weltgeschichte als das Ereignis in 1.Mose 3. Während die Tatsachen des Sündenfalls in Kürze festgehalten werden, ist das, was wir dort lesen, der Ursprung allen menschlichen Leids und Todes, aller Krankheiten und Herzschmerzen. Alles Traurige was jemals passierte, begann dort. Wir lesen von der zerstörten Beziehung zwischen der Menschheit und Gott und wie das einen Einfluss auf die Beziehung zwischen Mann und Frau als auch auf unsere Arbeit und auf unsere Welt besitzt (1.Mo. 3:16-19).

Aber auch in dieser Einleitung von Tod und Not, gibt es ein Licht. Geburten werden uns viel Schmerz bringen – aber dieser Fluch nimmt uns nicht die Freude an unseren Kindern. Es gibt zwar Schmerz, aber da ist auch viel Schönheit und Hoffnung inbegriffen. Zwar sind Spannungen in die Beziehung zwischen Mann und Frau gekommen, doch wurde die Liebe nicht beseitigt. Selbst im Fluch gab Gott uns eine große Hoffnung, dass er diesen ungeschehen machen kann. Gott machte uns für immer zu Feinden der Schlange, aber nicht zu Feinden untereinander (1.Mo. 3:15).  Selbst in diesem abscheulichen Moment, begann er mit seinem großartigen Plan, uns für sich wiederherzustellen. „Audio: Die Zweite Eva“ weiterlesen

Geistlicher Missbrauch in der Ehe

Ein Artikel von Darby Strickland. Erschienen am 18.09.2019 unter dem Titel: „Spiritual Abuse in Marriage (ursprünglich in zwei Teilen)” bei CCEF. Übersetzt von Ruth Metzger. (download als .pdf)

Ich habe oft mit Frauen zu tun, deren Ehemänner die Heilige Schrift als Waffe benutzen, um sie zu kontrollieren. Beth war eine dieser Frauen. Als ich sie fragte, wie ihr Mann Joe für sie betet, erzählte sie mir das jüngste Beispiel. “Letzte Woche betete er Matthäus 6,24 über mir: ‚Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!‘  Er bat Gott dann, mir zu helfen, nicht so egoistisch und gierig zu sein und mich davor zu bewahren, dem falschen Herrn zu dienen. Er flehte Gott an, über mir zu wachen, weil man mir nicht trauen kann.“ Unter Tränen fuhr sie fort: “Im Gebet sagte er, dass ich keine Selbstkontrolle habe, und dass das bedeutet, dass ich Gott nicht diene, und dass Gott jedes Recht hätte, mich aus seinem Reich zu verstoßen.  Er flehte Gott an, ihm zu helfen, das zu ertragen, was Gott selbst kaum ertragen kann.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfuhr ich, dass Beths Mann, ein Ältester ihrer Gemeinde, so darauf reagiert hatte, dass sie das Lebensmittel-Budget für ihre neunköpfige Familie um 6$ überzogen hatte.

Nachdem er jahrelang auf diese Weise mit ihr gebetet hatte, war es Beth fast unmöglich, die Bibel aufschlagen, ohne davon auszugehen, dass sie von Gott verdammt war, wie es ihr Mann ihr unterstellte. Sie war dadurch innerlich zerstört. Beten war fast unmöglich geworden. Schlimmer noch, sie konnte die missbrauchenden Worte ihres Mannes nicht mehr unterscheiden von dem, was Gott über sie sagte. Sie war überzeugt, dass sie des Herrn unwürdig und seiner Fürsorge nicht wert war. „Geistlicher Missbrauch in der Ehe“ weiterlesen

Orthodoxie mit offenen Armen – Eine Erinnerung an J. I. Packer (1926-2020)

40 Quotes from J. I. Packer (1926–2020)

Ein Artikel von: Mark Noll, Orthodoxy with Open Arms – Tribute to J.I. Packer (1926–2020) vom 21.07.2020

Übersetzt von Viktor Zander, erklärende Fußnoten von Sergej Pauli.

der vollständige Artikel kann hier als .pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Der erste Eindruck kann täuschen. Aber die Eigenschaften, die ich in Jim Packer sah, als ich ihn im November 1979 zum ersten Mal traf, erwiesen sich als die gleichen, die viele andere (so meine Meinung) in vielen anderen Zusammenhängen im Laufe seines langen und fruchtvollen Lebens sahen.

Bereits 1979 sorgte sein Buch „Knowing God“[1] für einen hohen Bekanntheitsgrad unter Evangelikalen auf beiden Seiten der Atlantik. Der Anfang meiner Verbindung hatte jedoch mehr damit zu tun, was er über die Bibel geschrieben hatte, insbesondere sein Werk „Fundamentalism and the Word of God“[2]. Kritische englische Kommentare über Billy Grahams Evangelisations-Kampagne in London im Jahr 1954 waren der Anlass zu diesem Buch. Darin verteidigte Packer eine sehr hohe Sichtweise der Schrift, differenzierte zwischen traditionellem, konservativem Protestantismus und fundamentalistischem Anti-Intellektualismus und lobte Evangelisten wie Graham, die das predigten, „was die Bibel sagt“. „Orthodoxie mit offenen Armen – Eine Erinnerung an J. I. Packer (1926-2020)“ weiterlesen

Vergeude ich mein Leben in einem weltlichen Beruf?

 

Ein Artikel von John Piper im Rahmen der Serie „Ask Pastor John“: Am I wasting my life in a secular job? Ein Artikel vom 24.07.2020. Übersetzung von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God.

Download als .pdf.

Audio-Transkript

Die Frage heute kommt von unserem Hörer Joshua. „Hallo, Pastor John! Habe ich als Christ am Ende meines Lebens wirklich alles für Christus getan, wenn ich nicht zum Märtyrer für ihn geworden bin? Zurzeit arbeite ich in einem Handwerksberuf, und allem Anschein nach bin ich erfolgreich auf dem Weg nach oben. Aber seit ein paar Jahren empfinde ich, dass Gott mich vielleicht dazu beruft, in wirkungsvollerer und direkterer Weise für das Reich Gottes zu arbeiten. Es kam mir mehr und mehr so vor, als ob ein Leben in der Arbeitswelt oder in amerikanischen Unternehmen eine Verschwendung von Zeit und Energie ist. Seit mehreren Jahren versuche ich, Gottes Berufung für mein Leben herauszufinden, bisher ohne Erfolg.

Meine Frage ist folgende: Wenn ich mein Leben in einem Beruf verbringe, der nicht direkt dazu dient, das Evangelium zu verbreiten, ist das nicht Vergeudung? Warum sollte Gott mich an einen Arbeitsplatz stellen, der nichts mit der Ausbreitung seines Reiches zu tun hat, sondern meine Energie für die Produktion materieller Güter aufzehrt? Oder noch direkter: Habe ich wirklich alles getan, alle meine Kraft eingesetzt, jede Faser meines Seins dem Reich Gottes geweiht, wenn ich nicht zum Märtyrer für Christus werde?“ Pastor John, was würden Sie Joshua antworten?

Ich habe drei Warnhinweise für Joshua, und dann ein paar Ermunterungen. „Vergeude ich mein Leben in einem weltlichen Beruf?“ weiterlesen