Die „Goldene Regel“ beim Dating

Marshall Segal:

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Hast du schon einmal versucht, dich durch all die unterschiedlichen Ratschläge in Bezug auf Dating durchzuwurschteln, eventuell auch nur durch die Ratschläge anderer Christen?

  • Du solltest mindestens ein Jahr lang daten.
  • Keinesfalls solltest du länger als ein Jahr daten.
  • Trefft euch nur in Gruppen.
  • Seht zu, dass ihr euch oft genug alleine trefft.
  • Küsst euch nicht, bevor ihr verheiratet seid.
  • Wie kannst du wissen, ob die Chemie stimmt, wenn ihr euch noch nie geküsst habt?
  • Einigt euch von vornherein auf klare Grenzen.
  • Versucht nicht, den Regeln anderer Leute zu folgen.
  • Verbringt viel Zeit miteinander.
  • Passt auf, dass ihr nicht zu viel Zeit miteinander verbringt.
  • Date erst ein paarmal, ehe du wirklich an etwas Ernstes denkst.
  • Warte mit Daten, wenn du nicht wirklich bereit bist zu heiraten.

So könnte ich weitermachen, und wenn du irgendeiner christlichen Gruppe angehörst, kannst du die Liste wahrscheinlich endlos verlängern. Obwohl wir Jesus nachfolgen, unsere Bibel lesen und den Bund der Ehe anstreben, sind die Ratschläge zur Partnersuche überraschend breit gestreut. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe – und eine Milliarde verschiedener Dating-Tipps.

 

Das oberste Gebot beim Dating

Das oberste Gebot beim Dating ist zugleich die wichtigste Regel für das ganze Leben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!“ (Markus 12,30). Du wirst niemanden wirklich lieben können, wenn du nicht Gott zuerst und ihn mehr als alles liebst. Und niemand wird dich wirklich lieben können, wenn er Gott nicht mehr liebt als dich.

Der erste Schritt beim Dating sollte immer der Glaubensschritt zu unserem Herrn, Retter und höchsten Schatz sein, zu Jesus Christus, unserem König. Er nimmt unser Herz gefangen; in ihm finden wir unsere tiefste Freude. Unsere Seele hat ihr Zuhause bei ihm gefunden, und wir hören auf, uns selbst retten oder beweisen zu wollen. Wir setzen unseren Verstand ein, um ihn immer mehr kennenzulernen und flehen ihn an, unsere Gesinnung und unseren Willen mit seinen Gedanken in Übereinstimmung zu bringen. Wir investieren all unsere Kraft in sein Ziel und seinen Plan für unser Leben: Jünger zu machen, die ihn mit ihrem ganzen Herzen, ihrer ganzen Seele, ihrem ganzen Verstand und ihrer ganzen Kraft lieben.

Wenn unser Herz nicht dabei ist – wenn unsere Seele die Gewissheit durch den Glauben noch nicht hat, unser Denken noch zerstreut und auf andere, geringere Dinge fokussiert ist, wenn wir unsere beste Kraft noch in die Dinge dieser Welt – in Job, Sport, Shoppen, Unterhaltung, Beziehungen – investieren und nicht für Gott, dann wird auch unsere Partnersuche nicht gelingen.

Du willst, dass dein Dating und deine Ehe gelingt? Höre auf Jesus und liebe den Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft! Suche ihn zuallererst (Matthäus 6,33), und das Dating wird dir gemäß seinem perfekten Plan und Timing hinzugefügt werden.

 

Die „Goldene Regel“ beim Dating

Aber nachdem du dieses erste und größte Gebot beherzigt und angewendet hast, empfehle ich dir dies als die goldene Regel für die Beziehungsanbahnung:

Stütze dich auf die Menschen, die dich am besten kennen und am meisten lieben und dir sagen werden, wenn du Fehler machst.

Das ist nicht die wichtigste Regel, denn wir müssen auf jedem Lebensgebiet – ob es um Entscheidungen, Berufung, Beziehungen oder Lebensträume geht – immer damit beginnen, was wir über Gott denken und für Gott empfinden. Lieben wir ihn mehr als alles? Werden wir ihm auch dann gehorchen, wenn uns das teuer zu stehen kommt? Sind wir bereit, um seinetwillen auf alles andere zu verzichten? Werden wir ihm auch dann vertrauen, wenn sich unsere Wünsche nicht erfüllen? Es ist also nicht die oberste Regel, aber meiner Erfahrung nach ist sie eine „goldene Regel“, die oft den Unterschied zwischen gesunden und ungesunden christlichen Dating-Beziehungen ausmacht. Wenn du kein Christ bist – wenn du dich nicht mit Gott auseinandergesetzt hast, ehe du Versuche in Richtung Beziehung gemacht hast – hast du keine Hoffnung auf eine wirklich gesunde christliche Beziehung. Aber auch wenn du Christ bist, gibt es immer noch tausend Möglichkeiten, Gottes Weisheit unterschwellig oder offensichtlich zu verwerfen und in Sünde zu fallen.

Der Schlüssel ist, sich auf andere Christen zu verlassen, die dich am besten kennen, am meisten lieben und die sich darin bewährt haben, dir zu sagen, wenn du einen Fehler machst oder dich vom Willen Gottes entfernst.

 

Das dritte Standbein, das wir alle brauchen

Heute mehr denn je sehen wir uns einer endlosen Galerie von Meinungen und Ratschlägen gegenüber. Jeder hat zu jedem Thema etwas zu sagen, und du kannst dir dann die Antwort aussuchen, die dir gefällt.

  • Wieviel körperliche Nähe ist okay vor der Ehe?
  • Wann sollte ich wieder anfangen zu daten, nachdem eine Beziehung in die Brüche gegangen ist?
  • Worauf sollte ich bei einem Mann achten?
  • Nach was schauen junge Frauen bei einem Mann?
  • Sollten Paare zusammenleben, ehe sie verheiratet sind?

Welche Frage auch immer wir in Bezug auf Beziehungen haben – eine Antwort (oder vielleicht ein Dutzend Antworten) lässt sich leicht finden. Das Beängstigende dabei ist, dass darunter mit Sicherheit irgendwo eine Antwort ist, die uns für das, was wir gerne tun möchten, eine Rechtfertigung liefert– egal ob es richtig oder falsch, sicher oder unsicher, weise oder dumm ist. Vielleicht stammt der Rat aus dem Buch eines Arztes, vielleicht aus einer zufälligen Unterhaltung mit jemandem in der Gemeinde, aus dem Blogpost eines Teenagers, oder wir haben ihn einfach auf Pinterest gefunden. Wenn wir ehrlich sind, ist es vielen von uns egal, woher der Rat kommt – Hauptsache, er bestätigt, was wir uns sowieso gedacht oder gewünscht haben.

Wir waten durch all das Online-Material und stützen uns auf die Meinungen anderer, aber meist liefern wir uns damit nur unseren eigenen Sehnsüchten und Meinungen und unserer Ahnungslosigkeit aus. Wir begeben uns sozusagen aus der Sicherheit der Arztpraxis in den Tankstellen-Supermarkt. Statt der qualifizierten Perspektive und Richtungsweisung, die wir dringend von den Menschen in unserer nächsten Umgebung bräuchten, gehen wir weg, essen einmal mehr einen süßen Riegel zum Mittagessen und spülen ihn mit Cola herunter.

Echte Freundschaft, bei der einer dem anderen im realen Leben Rechenschaft ablegt, kann vielleicht nicht mit derselben Menge an Rat oder Information aufwarten, und vielleicht gefällt dir weniger, was du zu hören bekommst. Aber sie hat einen entscheidenden Vorteil: Deine Freunde kennen dich – deine Stärken und Schwächen, deine Erfolge, dein Versagen, deine einzigartigen Bedürfnisse. Diese Leute kennen dich als Sünder, und Sünder, die nie mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert und ausgebremst werden, sind Sünder, die es von Gott wegtreibt anstatt näher hin zu ihm.

Tatsache ist: Wir brauchen alle ein drittes Standbein – im Leben wie bei der Partnersuche – und zwar Leute, die uns wirklich kennen und lieben und das Beste für uns wollen, selbst wenn das mit unseren momentanen Wünschen nicht übereinstimmt.

Die Stimmen, die wir am meisten brauchen

Dating isoliert uns oft von anderen Christen in unserem Leben. Je näher wir unserem Freund oder unserer Freundin kommen, desto weiter entfernen wir uns von anderen wichtigen Beziehungen. Satan gefällt das sehr – also ermutigt er uns in jeder Kurve. Um beim Dating weise zu bleiben, musst du dich gegen alles stellen, was Satan für dich plant. Kämpfe gegen den Impuls, dich mit deinem Partner allein in eine Ecke zu verkriechen. Bezieht einander dagegen in all diese anderen wichtigen Beziehungen mit ein. Während ihr datet, trefft euch umso mehr und ganz gezielt mit Familie und Freunden. Pflegt mit ihnen eine herzliche Beziehung und das Gespräch.

Es waren meine besten Freunde, die bereit waren, mit mir über meine Dating-Erfahrungen zu reden. Ich habe im Lauf der Jahre eine Menge Freunde gehabt, aber ich respektiere und schätze die am meisten, die bereit waren, sich einzumischen, die harten Fragen zu stellen und mir ungeliebte, aber weise Ratschläge zu geben.

Sie haben mich aufmerksam gemacht, wenn ich mit einem Mädchen zu viel Zeit verbracht habe oder anfing, andere wichtige Bereiche meines Lebens zu vernachlässigen. Sie haben Alarm geschlagen, wenn ihnen eine Beziehung ungesund vorkam. Sie wussten, wo ich früher schon Probleme mit sexueller Reinheit gehabt hatte und scheuten sich nicht, mir zu meinem Schutz die entsprechenden Fragen zu stellen. Sie haben mich unablässig auf Jesus hingewiesen, selbst wenn sie wussten, dass es mich nerven würde, und mich erinnert, meine Hoffnung nicht auf irgendeine Beziehung zu setzen, nach Geduld und Reinheit zu streben und gut zu kommunizieren und zu führen.

Diese Freunde haben mich nicht vor jedem Fehler oder Versagen bewahrt – das kann niemand. Aber sie haben mir sehr geholfen, als Mann, als Freund und nun als Ehemann zu reifen. Und ich wünsche mir, ich hätte in diesem Dating-Prozess noch mehr auf sie gehört.

Freudige und mutige Rechenschaft

Meine goldene Regel fürs Dating ist eine herzliche, wenn auch nicht gerade populäre Einladung zur Rechenschaft – in der Zeit der Eheanbahnung die Lasten ehrlich und beharrlich miteinander zu tragen (Galater 6,2). Dieser Begriff der Rechenschaft kommt dir vielleicht vertrocknet und abgestanden vor. Aber Rechenschaft abzulegen bedeutet, dass dich jemand, dem du wichtig bist, wirklich tief, authentisch und beständig kennt, jemand, der sich die Mühe machen wird, dich davon abzuhalten, wenn du im Begriff stehst, einen Fehler zu machen oder dich in die Sünde zu stürzen.

Nur Menschen, die Christus mehr lieben als dich, werden den Mut haben, dir zu sagen, wo du beim Dating etwas falsch machst – ob es die falsche Person ist, die falsche Zeit oder was auch immer. Nur sie werden bereit sein, dir auch harte Wahrheiten zu sagen, wenn du gerade auf Wolke sieben schwebst. Die meisten werden dich bestätigen und in deine Begeisterung einstimmen, aber du brauchst viel mehr als Begeisterung – davon hast du selbst gerade genug. Was du bitter nötig hast, ist Wahrheit, Weisheit, Korrektur und den richtigen Blickwinkel.

Die Bibel mahnt uns, all unsere Wünsche, Bedürfnisse und Entscheidungen tief in das Netz einer Familie einzuweben, die uns liebt und uns helfen wird, Jesus nachzufolgen. Diese Familie hat Gott uns in unserer örtlichen Gemeinde gegeben (Hebräer 10,24-25).

Gott hat dich mit deinem Glauben, deinen Gaben und deiner Erfahrung anderen Gläubigen zur Seite gestellt. Du sollst sie ermutigen: „Wir ermahnen euch aber, Brüder: Verwarnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen jedermann!” (1. Thessalonicher 5,14). Du sollst sie herausfordern und zurechtweisen: „Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit” (Kolosser 3,16). Und du sollst sie aufbauen: „Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut!” (1. Thessalonicher 5,11).

Auch wenn es sich manchmal unbequem, überflüssig, nicht hilfreich oder unangenehm anfühlt: Gott hat begabte, erfahrene Männer und Frauen auch in dein Leben geschickt, die Christus lieben. Er hat das zu deinem Wohl – und zum Wohl deines Freundes oder deiner Freundin (und, so Gott will, deines zukünftigen Ehepartners) getan. Der Gott, der uns diese Art Freunde und Familie verordnet, weiß viel besser als wir selbst, was wir brauchen.

Wir alle brauchen in den gefährlichen und trüben Gewässern der Partnersuche Freunde und Ratgeber, die mutig und voller Hoffnung und immer für uns da sind. Stütze dich auf die Menschen, die dich am besten kennen und am meisten lieben und die dir sagen werden, wenn du dich irrst.


 

Marshall Segal (@marshallsegal) ist Autor und leitender Redakteur bei desiringGod.org. Er ist der Autor von Not Yet Married: The Pursuit of Joy in Singleness & Dating. Er ist Absolvent des Bethlehem College & Seminary. Er und seine Frau Faye haben zwei Kinder und leben in Minneapolis. – Übersetzung von Ruth Metzger

 

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