Welche Bibelübersetzung soll ich lesen und mit welchem Bibelbuch soll ich anfangen?

Welche Bücher soll ich am Anfang lesen?

Welches Bibelbuch ist für einen Neuling oder “Schnupperer” im Glauben besonders geeignet? In unserem Kulturkreis ist es häufig üblich mit dem Johannesevangelium anzufangen (z.B. bietet VdHS das Johannesevangelium als Bibelteil zum Verteilen an). Das scheint naheliegend aufgrund der Zentralität Christi, die hier gezeigt wird (Jesus als Weg, Tür, Wahrheit usw…) Ich muss aber rückblickend sagen, dass es mir als Neuling im Glauben ziemlich schwerfiel mit den Themen des Johannesevangeliums  klarzukommen. Die langen Dialoge dort haben mich lange ziemlich verwirrt. Mit den theologischen Konzepten konnte ich auch weniger anfangen. In vielen Biographien von Missionaren habe ich gelesen, das man mit dem Markus-Evangelium anfingt. Es ist das kürzeste und kompakteste Evangelium und es scheint mir bis heute ein weiser Anfang zu sein, wobei ich mir für unseren westlichen Kulturkreis auch die Kombination Lukas-Apostelgeschichte vorstellen kann. Markus als einfach zu bezeichnen ist natürlich auch gefährlich, weil man so die Schönheit und Eleganz dieses kurzen Evangeliums übersehen kann.

Aber um ehrlich zu sein führt ziemlich schnell kein Weg am 1 Buch Mose vorbei. 3 und 4 Buch Mose sind anstrengend, und deswegen wäre vielleicht die Kombination aus 2 und 5 Buch Mose hilfreich. Damit hätte man einen guten Überblick über Schöpfung, Vätergeschichten, Gesetzgebung, Bund, Bundesbruch und Bundeserneuerung.  Sprüche und Psalter dürfen ebenfalls ein gutes Einstiegesmaterial darstellen, bei Studenten empfehle ich persönlich tatsächlich gerne Prediger und Hohelied. Aber auch Hiob ist natürlich ein Schmuckstück und viele der kleineren Propheten sind viel leichter zugänglich als man denkt (Ich denke an Jona, Amos, Habakuk, Haggai usw). Worauf ich hinauswill ist, dass man schon ganz früh damit anfangen sollte Altes und Neues Testament gleichzeitig oder zumindest beieinander zu lesen.

Meine Empfehlung für einen Neuling wäre in dieser Reihenfolge: Lukas- Apostelgeschichte-1. Mose – Psalmen (eine zufällige Auswahl von mindestens 30 Stück) – Petrusbriefe – Teile von Sprüche oder Prediger –  5. Mose – Ruth – Esther – Eine Auswahl aus Jesaja (z.B. Knecht-Gottes Passage Kap. 49-53) oder Amos oder Habakuk -Matthäusevangelium. Was denkt ihr? Was wäre euer Ansatz?

Auf eine gewisse Weise kann man natürlich mit jedem Bibelbuch anfangen und der Geist wirkt auf seine Weise souverän überall. Worauf ich hinauswill ist, dass ich mir mit obiger Liste einen eher einfachen Einstieg vorstellen könnte.Ich finde, um mit Paulus seinen Schriften klarzukommen, sollte man erst einmal einen Grundriss von wahrer Frömmigkeit besitzen und würde diese erst in einem zweiten Schritt lesen. Aber auf gar keinen Fall sollte man den ganzen vielen Stimmen glauben, die uns glauben machen wollen, die Bibel kann eigentlich nur ein Experte verstehen.

 

Welche Bibelübersetzung ist geeignet

Im Wesentlichen habe ich in diesem Punkt von einem Ratschlag von dem Bibelgelehrten Helmuth Egelkraut profitiert, den ich kurz vor seinem Tode besuchen durfte. Ich fragte ihn, welche Bibelübersetzung er empfehlen würde und seine Antwort war: “Es kommt darauf an, wann und wem?” Und das prägt seitdem meine Strategie. Für einen Neuling im Glauben ist die Hoffnung für Alle oder die Basisbibel wohl der beste Einstieg. Ich persönlich bin Luther12/84/2017 Leser, aber ich fand auch die neue Zürcher Übersetzung sehr gelungen.

Ich erinnere mich an dieser Stelle an einen weiteren Impuls, den ich von V.S. Poythress gehört habe. Er besprach in einem Vortrag die Qualität englischer Bibelübersetze und bemerkte an einer Stelle wehmütig: Als in seiner Kindheit alle die Revised Version verwendet haben, hat man viel mehr Bibelverse auswendig gelernt, weil ja jeder die gleiche Bibelübersetzung genutzt hat. Das ist sicher ein schmerzlicher Punkt, der aber, wenn man ihn entsprechend berücksichtigt, positiv gelöst werden kann.

Irgendwo müssen wir uns eingestehen, dass die Wahl einer geeigneten Bibelübersetzung auch Geschmackssache ist. Da mag ich gerne ein persönliches Erlebnis schildern, das interessanterweise von einem Freund von mir genauso wahrgenommen wurde: Ich erinnere mich an die Zeit, als die Schlachter 2000 Bibeln unsere Kirchen fluteten. Seltsamerweise waren es immer die wichtigen Sakkoträger, die nun immer mit ihren Schlachter 2000 John F. MacArthur jun. Studienbibeln im Ledereinband auf ihrem Schoß liegend, dem Gottesdienst lauschten. Besonders stieß mich ab, dass sie beständig zu den Anmerkungen, die sie aus ihren MacArthur-Kommentaren vorlasen, beständig mit dem Hinweis versahen, “dass man bei seinen Kommentaren ansonsten vorsichtig sein muss”. Ich beschloss damals lieber meiner “good old” Lutherbibel treu bleiben. Im Wesentlichen dürfte das sogar die Ursache dafür sein, dass ich nie wirklich etwas von John F. MacArthur jun. gelesen habe. So irrational bin ich. Aber natürlich muss ich mir eingestehen, dass nicht nur wichtigtuerische Sakkoträger beim Lesen der Schlachter 2000 Bibel gesegnet werden können.

Beim Lesen… Da wären wir ja: Was nützt mir die beste Expertise zu den unterschiedlichsten Bibelübersetzungen, wenn ich die Bibel überhaupt nicht lese? Wie furchtbar ist das. Regelmäßig begegnet man frisch im Glauben stehenden Gläubigen, die plötzlich Verfechter der einen wahren umgefälschten Bibelübersetzung folgen und jeden davor ernstlich warnen, falsche Bibelübersetzungen (a ka NA-Varianten) zu verwenden. Sie haben häufig selbst nicht einmal die Bibel komplett durchgelesen! (Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an einen über 1000 Abonnenten umfassenden Kanal, der die Luther 1545 Übersetzung zur einzig wahren, echten, authentischen usw.. Bibelübersetzung überhaupt erklärt hat.)

Also ein klares Fazit: wir dürfen dankbar sein, so viele so gute Übersetzungen in derart hohen Qualitäten zu besitzen. Noch vor wenigen Jahrhunderten, eigentlich sogar Jahrzehnten war das völlig undenkbar und ist bis heute in vielen Kulturen undenkbar. Hinzu kommen hochwertige Konkordanzen, Interlinearübersezungen, Bibelprogramme und vieles mehr! Gott wird uns irgendwann zur Verantwortung dafür ziehen, wie wir mit einem solchen Schatz umgegangen sind. Selig sind, die Gottes Wort lesen und bewahren!

Anhang: Hinweise zum Textus Complexus (kein Rechtschreibfehler)

Der Artikel ist damit abgeschlossen, aber ich weiß, dass häufig die Frage nach “dem richtigen Urtext” kommt.

Mich hat als Jugendlicher immer beunruhigt, warum es überhaupt Lesarten, also Unterschiede in den unterschiedlichen Handschriften gibt und niemand offensichtlich ganz genau sagen kann, welcher Text der exakt richtige, während doch Jesus gesagt hat, dass Himmel und Erde vergehen mögen, und doch nicht ein Strichlein vom Gesetz Gottes vergehen wird. Aber die Inspiration und Göttlichkeit des Wortes Gottes hat nie bedeutet, dass Gott jeden Abschreiber der Bibel vor jedem Abschreibfehler bewahrt hat! Setz dich hin und fang an die Bibel abzuschreiben und du wirst das Gegenteil beobachten. Die Völlige Irrtumslosigkeit der Schrift umfasst also nur und nur die Originale.

Wenn man diesen Punkt verstanden hat, schätzt man die unzähligen Handschriften des Neuen Testaments dann nicht als ein Hindernis, sondern als Bestätigung für die Zuverlässigkeit der Überlieferung der Schrift: Stellt euch mal vor, es gebe das eine echte Original des vollständigen Testaments in irgendeiner Bibliothek im Vatikan, seit Jahrhunderten vom Papst geschützt? Würde das die Glaubwürdigkeit der Bibel erhöhen? Ich wage daran zu zweifeln und denke, dass uns das eher ein mulmiges Gefühl geben würde, ob nicht doch der eine Machtmensch den Text für seine Zwecke angepasst hat, hier einen Text rausgelassen, dort einen eingelassen hätte. Gerade die faszinierende Übereinstimmungen des biblischen Textes in den Überlieferungen der unterschiedlichsten Kulturen ist somit die Bestätigung der Zuverlässigkeit seiner Überlieferung.

Hat man Klarheit in diesen Zwei Punkten, so will mir scheinen ist auch die Haltung klar, die man zu neu entdeckten Handschriften der Bibel hat. Man ist nicht versucht einen Stand des Neuen Testaments als unantastbar zu deklarieren (häufig ist damit der Stand gemeint, der Erasmus zur Verfügung stand) sondern würde jede Handschrift, jedes noch so gleiche Fragment als Bereicherung sehen. Auch wenn ich an dieser Stelle eingestehen muss, dass auch die Quelle des Fragments eine Rolle spielt: Gnostische Quellen wären sicher geneigt die Texte in “ihre gewünschte Richtung zu korrigieren” usw… Aber damit wären wir schon im Qualifizierungsprozess der Manuskripte, einer Aufgabe der ich sicher nicht gewachsen bin.

Im Übrigen hat mich die ganze NA-TR Debatte in der Hinsicht auf die Gleichgültigkeit mit der die Überlieferung des Alten Testaments betrachtet wird, immer ziemlich irritiert. Wenn man hier berücksichtigt, dass die Vokalisierung des Alten Testaments offensichtlich erst im fünften oder sechsten Jahrhundert nach Christus eingeführt wurde, dürfte ja die Frage berechtigt sein, ob die Vokale des Alten Testaments nun inspiriert sind oder nicht? (Einen sehr kurzen Überblick gibt dieses Dokument). Damit will ich ein Beispiel dafür geben, wie schnell dieses Thema uns Laien überfordern kann und wir ein stückweit Demut lernen dürfen, aber auch Dankbarkeit für Menschen, die Gott ausgerüstet hat, uns mit guten Übersetzungen von guten Überlieferungen zu versorgen.

Dass ist schließlich in diesem Thema auch ein erwähnenswerter Punkt, dass man die Arbeit von Nestle und Aland aus dem Grund ablehnt, weil sie nicht evangelikale, ja eigentlich bibelkritische Christen waren, die hinter dieser Handschriften-Tradition stehen. Das Problem ist dann jedoch, dass auch schließlich Erasmus nicht unbedingt im besten liegt. Ein häufig agnostisch klingender Humanist, der einige homoerotische Erfahrungen seiner Jugendzeit zu verbergen hatte, kann nun mal auch Werkzeug in Gottes Hand sein. Nicht weil Erasmus so integer gearbeitet hat und Luther so gut übersetzt hat, darf ich Gottes Wort lesen, sondern weil Gott über sein Wort gewacht hat.

Andererseits muss ich den TR doch an einer Stelle verteidigen: Mögen die Varianten der “King-James-Only”-Schule auch die Unterschiede zwischen den Manuskripten in übertriebener Weise hochspielen, so beobachte ich auf der anderen Seite häufig ein Runterspielen der Unterschiede. Fast immer hört man die Erklärung, dass die unterschiedlichen Lesarten keine wichtigen Lehren betreffen, und bei 95-99% des Textes hundertprozentige Übereinstimmung liegt. Ich halte das für eine zu verkürzte Erklärung. Vier Beispiele möchte ich dafür aufführen, macht euch selbst ein Bild:

a) Betrachtet wie hier für die lutherische Position es extrem wichtig ist, ein ganz bestimmter Bibeltext aus Apg. 8,26-28 geradezu elementar ist für die Argumentation, bzw. das Fehlen derselben. An dieser Stelle beißt sich aber die Schlange in den eigenen Schwanz: Wenn nur die Widertäufer partout so einen Vers (“glaubst du, so mag es wohl geschehen”) haben wollten, wäre ja die Frage, warum er erst später, als doch keinerlei Debatte um die Kindertaufe (angeblich) vorlag, eingeschlichen haben soll. Wenn also niemand auf dem Glauben als Bedingung für die Taufe bestand, wieso gibt es dann überhaupt Überlieferungen, die so etwas mitführen?

b) Das Comma Johanneum: Gemeint ist damit Joh 5,7-8 (Vergleiche bei Interesse diesen Wikipedia-Artikel): Natürlich spielt es eine Rolle, wie du über die Dreieinigekit sprichst und welche Bibeltexte du anführst, wenn auch nicht deine Theologie der Dreinigkeit per se geändert wird, ob man diese Stelle als Teil der Bibel betrachtet oder nicht.

c) Ich habe mal für Evangelium 21 drei Artikel über einen puritanischen Theologen übersetzt. Mir ist damals aufgefallen, dass der Autor immer wieder vermerkt hat, dass der beschriebene Puritaner immer wieder elementar mit Bibelversen gearbeitet hat, die gar nicht mehr als Teil der Bibel betrachtet werden

Schließlich habe ich das neulich selber erlebt, dass ich über die Heilung des 38 jahre lang kranken am Teich Betesda nachdenke, und immer wieder gefunden habe, das Joh. 5,4 zwar fast immer als nicht Bestandteil der Bibel aufgefasst wird, sondern einfach als Info, die ein Kopist hinzugefügt hat, das aber gleichzeitig fast alle Kommentare doch auf “diese zusätzliche Info” in ihren weiteren Informationen zurückgegriffen haben. Mich hat es doch etwas verdutzt zurückgelassen, dass man zwar sagt, dass dieser Vers nicht Teil des originalen Neuen Testaments sei, man aber doch diesen in der Argumentationskette voraussetzt.

Das schreibe ich nicht, um uns zu verunsichern, sondern einfach um uns wachsam dafür zu machen, dass es nicht so eine 0-8-15-Lösung in diesen Fragen gibt und man nicht zu voreilige Schlüsse ziehen darf. Aber wir haben sie, hochwertige Übersetzungen, ob Luther, Schlachter, Elberfelder, Zürcher, ob revidiert und unrevidiert. Deswegen: Nimm und lies, nimm und lies, nimm und lies…

 

 

 

7 Kommentare

  1. Meine Empfehlung ist zuerst mit Schlachter2000 oder Luther12/84 zu beginnen (keine Studienbibel). HfA kann man lesen aber die fordert einen nicht wirklich heraus

    1. Ja ich bin mit der Lut1912 großgeworden und liebe sie total, aber man muss sich natürlich eingestehen, dass die Sprache schon archaisch (geworden) ist. da sehe ich ein stückweit die gefahr biblisch = archaisch altmodisch gechwollen klingend gleichzusetzen.

      1. Deswegen bin ich von Luther zu Schlachter mit meiner Familie gewechselt. Finde die Entscheidung sehr gut, auch das auswendig lernen fällt den Kindern nicht so schwer.

        „Biblische (archaisch altmodisch gechwollene) Rede birgt aber nur eine minimale Gefahr , gefährlicher ist es mit überinterpretierten Bibelstellen aus so manchen modernen Bibelübertragungen aufzuwachsen.

        https://www.betanien.de/die-neue-hoffnung-fuer-alle-von-2015-verbessert-aber-noch-nicht-gut/

        1. Ich teile die Kritik von Betanien so nicht ganz aber ich verstehe schon den dahinterliegenden Impuls. Meine Wahrnuhmung ist häufig eine andere: ich begegne vielen eher einfachen Christen, die mit den klassischen Übersetzungen überfordert sind. Die “tägliche Stille Zeit” ist dann nicht viel mehr als eine Tradition, man liest Kapitelweise Texte ohne wirklich auch nur im Geringsten den Text zu erfassen (ich war selber lange Zeit in einem solchen Zustand). Dabei handelt man so, als wäre die Bibel ein Orakel.
          Deswegen ist ja die Frage, ob man einen praktischen Fall wirklich kennt, indem jemand mit einer überinterpretierten Bibelstelle einen Schaden mitgenommen hat? Du weißt was ich meine?

          1. Es ist Gottes Wort ist und wenn die Bibel nicht mehr zu einem spricht dann nimmt man immer „Schaden“ und das unabhängig von sehr guter Übersetzung oder irgendwelcher Übertragung.
            Deswegen ist es auch eine persönliche und Entscheidung welche man gut überlegt und im Gebet treffen muss.

            Größere Probleme sehe ich eher bei der Jugend die gar keine Bibel mehr haben und nur zu irgendwelchen Apps greifen. Gefühlt ist in der jüngeren Generation (auch weil man schnell von Übersetzung zu Übersetzung springen kann) kaum was an Bibelstellen im Gedächtnis vorhanden.

  2. Zu “appesierung”

    Bibelstudium in einer App, im eBook, Hörbibel oder auch in einer Software wie Logos sind Hilfsmittel und absolut zu empfehlen aber mmn nur als Werkzeuge bzw. als Zusatz und nicht als Ersatz für die eigene Persönliche Bibel wo man was notiert , unterstreicht, markiert und sofort findet wenn man mal was sucht.

    Zum markieren hat Hanniel hier ein paar Tipps
    https://hanniel.ch/2017/08/22/daily-briefing-4-wie-markiere-ich-meine-bibel/

    Ich merke aber das man die Smartphonegeneration zu einer Buchbibel nicht mehr überzeugen kann, so meine Erfahrung aus einigen Gesprächen.

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