Eine Viertelstunde über einen todsicheren Pfeil

Ich habe für meine Viertelstunde diesmal ein neues Format ausprobiert und nur eine kommentierte Schriftlesung durchgeführt (Nämlich 1. Kön. 22). Leider ist es mir nicht so ganz gelungen, die Kerngedanken sauber darzustellen, aber auch um der Transparenz willen, möchte ich weniger gut gelungene Beiträge veröffentlichen.

Nachgedacht habe ich über diese Fragen:

  • Wie steht König Ahab zur Wahrheit?
  • Wie kommuniziert Micha Wahrheit in einem Moment, in dem keiner auf diese hören möchte?
  • Lässt sich Gottes Urteil vermeiden?

Ahabs Geschichte hat mich schon immer in besonderer Weise fasziniert. Ich habe an dieser Stelle über Ahab, Isebel und Naboth nachgedacht.

Über verschwundene Menschentypen

Als ich vor kurzem über die Schweizer Grenze fuhr, musste ich daran denken, dass es die “biblischen Zöllner” einfach nicht mehr gibt. Zumindest nicht mehr hier in Westeuropa, in den GUS-Staaten tummeln sich noch zahlreich Zöllner von beeindruckend biblischen Qualitäten herum.

Aber nicht nur die Zöllner “vermisse” ich. Auch Menschen pharisäischer Qualität kann ich heute nicht mehr finden. Zumindest scheint kaum einer von der kaum zu ertragenden Schmähkritik in Matth. 23 betroffen zu sein. Heuchler scheinen Fehlanzeige zu sein.  Vielleicht liegt es ja daran, dass kein Christ mehr zwei mal in der Woche fastet? Aber auch Menschen, die Zweifel so erfolgreich promoten wie die Sadduzäer, soll es heute wohl auch nicht mehr geben. Das soll nicht heißen, dass sich nicht überall genug Leute in der Oberschicht des Volkes Gottes (besser: unter dem Volk Gottes) rumtummeln, die ebenfalls sowohl Auferstehung wie Engelwelt bezweifeln. Aber irgendwie darf man diese beiden so offensichtlich  identischen Zweifel-Gruppen nie und unter keinen Umständen jemals vergleichen. Irgendetwas wunderbares, nahezu magisches unterscheidet die heutige Ablehnung des Übernatürlichen von der vergangen. Was genau, konnte mir bisher keiner erklären.

Oder haben Sie schon mal jemals jemanden getroffen, der egal welch Anzahl an menschengemachten Regeln er um sich aufgebaut hat, in Erwägung zieht, dass der Galaterbrief ihm womöglich etwas zu sagen hat? Da sich heute keiner beschneiden lässt, muss alles in Ordnung sein. By the way: Wie war es dann bei Titus (Gal. 2.3)?

Auch auf der anderen Seite des Spektrums alles menschenleer: Keine ungeistlichen und gesetzlosen Korinther, zerfressen durch Neid und Streitsucht, zu finden! Die Liebe zur Welt kleidet sich heute viel lieber in zwei Varianten: Entweder in konservativer oder liberaler Spielart.  Entweder als “biblischer Separatismus” oder als “gesellschaftliche Teilhabe”.

Selbst die ganzen Lahmen und Krüppel kann man kaum finden; offensichtlich wurde eine beachtliche Zahl derselben rechtzeitig abgetrieben, im anderen Fall in geeigneten Heimen abgeriegelt.

Benebelt durch den dunklen Rauch der Selbstbeweihräucherung, mitten in der Anbetung unserer eigenen Gerechtigkeit, haben wir effizient zahlreiche Bereiche der Bibel “ausgeräuchert”. Sie schweigen, da sie nur noch rein fiktive Personen in rein fiktiven Situationen meinen. Viel zu weit (zeitlich) von uns entfernt, viel zu andersartig in ihrer Kultur. Warum z.B. sollten wir als Christen noch nach sozialer Diakonie trachten, wenn es einen gut funktionierenden Sozialstaat gibt? (Die durch die Situation entstanden Ämter werden natürlich eisern bewacht, einschließlich Hierarchie und Beffchen.)

Was sollen wir z.B. bloß mit der Kapitel an Kapitel gereihten Kritik des Amos am Umgang mit Armen anfangen?  (mindestens Kap. 3-7). Ich meine er geht so weit, die verwöhnten Frauen Israels als fette Kühe zu bezeichnen! (Am. 4,1). Wie furchtbar unpassend! Welch unangenehme Sprachwahl! So sollte sich doch ein Prophet Gottes nicht ausdrücken!  Und überhaupt, soziale Gerechtigkeit – ne, ne,ne!  – Warum ich das Beispiel wähle? Weil wir mit der Familie gemeinsam den Propheten Amos angeschaut haben, und mir wieder mein kaltes liebloses Herz bewusst wurde. Ich verstehe den Inhalt von Amos, aber ich habe gemerkt, wie er mir einfach nichts sagt und nichts zu sagen hat. Kapitel nach Kapitel lese ich über fehlende Gerechtigkeit im Umgang mit dem Nächsten, aber ich lese es und streichele mir doch gleichzeitig selbstgefällig meine Seele, als wäre alles in Ordnung!

Ach Herr: “Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott!” (Jes. 31,18)

 

Eine Viertelstunde über ein Gebet im Walfischmagen

Was macht ein erfahrener Prophet Gottes im Walfischmagen? Offensichtlich eine Lektion lernen. Aber welche sollte es sein? Und warum hat Jona geradezu zum Verzweifeln keinerlei Motivation nach Ninive zu gehen? Ist es Angst? Ist es mangelnde Überzeugung? Könnte es sein, das Jona nicht ertragen kann, dass sein Gott selbst mit einem Terroristenvolk gnädig ist? Wie kann es sein, dass Jona Gnade als unerträglich empfindet? Wenn dieses Problem einen bewährten Propheten betrifft, wie weit mehr uns? Diesen und weiteren Fragen gehe ich in meiner Andacht nach.

Übrigens: Meine Lektüreliste findet sich hier.

Höre hier:

 

Buße – Aber wie?

Eine Andacht von John Piper für den 28. Januar. Übersetzt von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (Download als .pdf).

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. (1.Johannes 1,9)

So ein vages negatives Gefühl, dass du ein mieser Typ bist, ist nicht dasselbe wie Sündenerkenntnis. Sich schlecht fühlen ist etwas anderes als Buße zu tun.

Als ich heute Morgen beten wollte, fühlte ich mich unwürdig, mit dem Schöpfer des Universums zu reden. Es war ein ganz undefinierbares Gefühl von Unwürdigkeit, und ich sagte es ihm. Was jetzt?

Nichts änderte sich, bis ich bezüglich meiner Sünden auf den Punkt kam. Sich schlecht zu fühlen, kann manchmal nützlich sein, wenn es dazu führt, dass uns bestimmte Sünden bewusst werden. Aber nur so ein diffuses Gefühl, dass man ein schlechter Mensch ist, ist normalerweise nicht sehr hilfreich.

Im Nebel der Unwürdigkeit müssen sich die dunklen Säulen des Ungehorsams herauskristallisieren und klare Form annehmen. Dann können wir mit dem Finger darauf zeigen, Buße tun und um Vergebung bitten und mit unserer Evangeliums-Panzerfaust darauf zielen und sie in die Luft jagen.

Ich habe mir also die Gebote, die ich häufig breche, in Erinnerung gerufen. Die folgenden sind die, die mir in den Sinn kamen:

  • Liebe Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand und aller Kraft. Nicht 95%, sondern 100%. (Matth. 22,37)
  • Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Sei genauso eifrig bemüht, dass es ihm gut geht, wie du bemüht bist, dass es dir selbst gut geht. (Matth. 22,39)
  • Tue alles ohne Murren. Kein Murren, weder innerlich noch äußerlich. (Phil. 2,14)
  • Wirf all deine Sorgen auf ihn – so dass sie dich nicht mehr runterziehen. (1.Pet. 5,7)
  • Sag nur Dinge, die anderen Gnade vermitteln – besonders denen, die dir nahestehen. (Eph. 4, 29)
  • Nutze die Zeit. Verplempere sie nicht und trödele nicht herum. (Eph. 5,16)

So viel zu jeglicher Anmaßung von wegen großer Heiligkeit! Ich bin erledigt.

Das ist viel schlimmer als das vage Gefühl von Unwürdigkeit. Ah, aber jetzt ist der Feind sichtbar! Die Sünden sind ganz spezifisch. Sie sind aus ihrem Versteck gekommen. Ich kann ihnen ins Auge schauen. Ich jammere nicht mehr herum über meine Unwürdigkeit. Ich bitte Christus um Vergebung für die Dinge, die ich entgegen seinem klaren Gebot unterlassen habe.

Ich bin zerbrochen und habe einen Zorn auf meine Sünde. Ich möchte sie töten – und nicht mich. Ich bin kein Selbstmörder, sondern ein Sünden-Hasser und ein Sünden-Mörder. „Darum tötet alles, was zu eurer irdischen Natur gehört.“ (Kol. 3,5) „Wenn ihr aber durch den Geist die alten Verhaltensweisen tötet, werdet ihr leben.“ (Röm. 8,13). Ich möchte leben, deswegen bin ich ein „Killer“ – meiner Sünde.

In diesem Kampf höre ich die Verheißung: Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit (1.Joh. 1,9). Der Frieden ist in Sicht.

Nun fühlt sich das Gebet wieder möglich und richtig und kraftvoll an.

Martin Luthers Predigt von der Buße

Im Andachtsbuch “Aus der Tiefe rufe ich her zu dir” (Andacht vom 15. Mai) habe ich den Hinweis zu dieser Predigt Luthers gefunden, die, so weit ich ermitteln konnte, in den populär und frei zugänglichen Sammlungen von Luthers Werken nicht verfügbar ist. Ich habe den Text aus der Frakturschrift kopiert und etwas mehr ins Hochdeutsche gebracht (pdf, docx, epub, mobi).

Luther ist hier at his best. Noch ganz katholisch setzt er sich fest für die Absolution ein, arbeitet aber schon ganz klar am “Sola Fide”. So schreibt er:

“Es fällt also dahin der Irrtum derer, die da sagen, dass die Sakramente des neuen Gesetzes in der Weise wirksame Gnadenzeichen seien, dass, wenn auch einer schon keine rechte Reue, sondern nur einen Reueanflug hätte, wo er nur nicht ein Hindernis durch eine wirkliche Sünde oder den Vorsatz zum Bösen entgegen stellte, so könne er Gnade erlangen. Ich aber sage dir, wenn du auch mit einer rechten Reue hinzugingest, aber nicht glaubtest an die Absolution, so gereichen dir die Sakramente zum Tod und zur Verdammnis. Denn der Glaube ist notwendig; um wie viel weniger genügt also ein Reueanflug oder die Nichtsetzung eines Hindernisses; endlich aber gibt es keinen solchen in der ganzen Welt, der nicht ein Hindernis entgegensetzte, ohne allein, der da glaubt, da allein der Glaube rechtfertigt, und „wer zu Gott kommen will, der muss glauben” (Hebr. 11, 6.). Denn jener gemeine Spruch ist ganz wahr und richtig: „Nicht das Sakrament, sondern der Glaube an das Sakrament rechtfertigt”; oder wie St. Augustinus sagt: „Das Sakrament wirkt nicht, weil es geschieht, sondern weil es geglaubt wird.” Wenn aber das Sakrament nicht rechtfertigt, sondern der Glaube an das Sakrament, um wieviel weniger rechtfertigt die Reue oder die Nichtsetzung eines Hindernisses; sondern allein der Glaube!”

Sehr treffend durchschaut er auch unsere Versuche unsere Reue als gutes Werk statt als demütigen Glauben zu verkaufen: „Martin Luthers Predigt von der Buße“ weiterlesen

Oh Lord, please don't let me be misunderstood ?

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung zum Artikel: Für Wen ist das Evangelium? Diesmal möchte ich betrachten ob unsere Buße (oder was wir als solche verkaufen) wirklich eine geeignete Reaktion auf die Botschaft des Evangeliums ist.

1964 wurde der Song “Don’t Let Me Be Misunderstood” geschrieben und stürmte wiederholt die Charts, so 1965 in der Variante der Animals und 1977 mit Santa Esmeralda. Die Szenerie ist schnell erzählt: Ein Freund/ Ehemann entschuldigt sich für irgend ein nicht wirklich definiertes Vergehen bei seiner Partnerin. Man kann in etwa denken, was vorgefallen ist. Betrachten wir die erste Strophe:

1. Baby, do you understand me now
Sometimes I feel a little mad
Well don’t you know that
no-one alive
Can always be an angel
When things go wrong I seem to be bad
Refrain:
I’m just a soul who’s intentions are good
Oh Lord, please don’t let me be misunderstood
Baby, verstehst du mich jetzt?
Manchmal fühle ich mich ein bisschen verrückt.
Du weißt doch,
dass man nicht immer ein Engel sein kann.
Und wenn es schief geht, scheine ich so schlecht zu sein
Refrain:
Ich jedoch bin eine Seele mit guten Absichten!
Oh Herr, lass mich bitte nicht missverstanden sein  

Um ehrlich zu sein, ich fühlte mich ertappt, als ich mit diesem Text konfrontiert wurde. Nicht wenige Male blieben und bleiben Buße, Reue und Tränen nur Teile einer aufwendigen Selbstrechtfertigung. Doch im Detail:

„Oh Lord, please don't let me be misunderstood ?“ weiterlesen

Der unsichtbare Dritte im Tempel

(c) Faithlife Logos

Selten wird die Zielgruppe bei einem Gleichnis Jesu so klar angegeben, wie bei der Erzählung über den Pharisäer und dem Zöllner im Tempel (Luk 18,9-9). “Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern”, Jesus erzählte nun, wie ein Pharisäer mutig betete und seine Gerechtigkeit vor Gott bekannte. Abseits stand ein Zöllner. Überwältigt von seinen Sünden wagte er nicht einmal seine Augen empor zu heben. Verzweifelt ruft er aus: “Gott, sei mir Sünder gnädig!” und geht daraufhin gerechtfertigt in sein Haus. Kaum ein Gleichnis wird häufiger besprochen und doch habe ich den Verdacht, dass wir uns allzu gerne eine dritte Person im Tempel wünschen würden, eine Art Über-Pharisäer.

„Der unsichtbare Dritte im Tempel“ weiterlesen

Naeman – Unverdiente Gnade für einen großen Sünder

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Ich habe den Kindern die Geschichte von Naeman erzählt und mir fiel auf, wie viel von der Botschaft des Evangeliums in dieser Geschichte verborgen ist, einige Punkte:

  1. Die Heilung war unverdient, Naeman hatte keinen Anspruch darauf, er war nicht nur Gottlos, sondern auch ein Götzendiener und einer der schlimmsten Feinde Israels.
    1. Gott gebraucht gerade eines seiner Verbrechen, um ihn zu retten
    2. War Naeman der einzige Aussätzige? (Lk 4:27) Und viele Aussätzige waren in Israel zu des Propheten Elisa Zeiten; und deren keiner wurde gereinigt denn allein Naeman aus Syrien.
  2. Die Heilung war völlig umsonst
    1. Kostete ihn aber fast alles, er musste:
      1. Seinen Stolz ablegen (V.11-12)
      2. Seine Herkunft vergessen
      3. das Heil bei den Juden suchen (Wir dürfen das Heil bei DEM Juden suchen)
      4. Nicht auf seinen Reichtum / Wohlstand bauen (hätten wir Naeman hier gefragt, die Äälfte abzugeben, wäre er damit nicht einverstanden gewesen?)
  3. Die Heilung war alleine durch den Glauben an das Wort des Propheten Alleine durch den Glauben (war es das 7-fache Taufen, das ihn heilte? Könnte jeder das nachmachen? – Nein, nur der Gläubige)
    1. Jesus ist unser Prophet, der spricht und durch den Glauben an sein Wort werden wir geheilt

Beachtet auch die Bedeutung des Jordans als Sinnbild des Todes: Ich darf leben, weil Jesus den Tod auf sich nahm.

 

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